Zum Tod von Fritz Oser (1937-2020)

Am 5. September 2020 verstarb im Alter von 83 Jahren Professor em. Dr. Dr. hc. mult. Fritz Oser. Seit 1986 war er Ehrendoktor der Mainzer Katholisch-Theologischen Fakultät. Nach einer Ausbildung am Lehrerseminar in Solothurn und Tätigkeit als Lehrer folgten Studien der Musikwissenschaft, Literatur, Philosophie und Theologie sowie anschließend eine Spezialisierung in der Pädagogik, die ihn nach einem Forschungsaufenthalt bei Lawrence Kohlberg zur Habilitation über das Thema moralisches Urteil und schließlich zu einer Professur für Pädagogik an der Universität Fribourg führten, die er von 1981 bis 2007 innehatte. In fünf Jahrzehnten ungemein kreativen Wirkens hat Oser die internationale pädagogische und auch religionspädagogische Theorie und Praxis nachhaltig geprägt. Seit Ende der 1960er Jahre hat er maßgeblich die Wende vom Katechismusunterricht hin zur Förderung der individuellen Gottesbeziehung betrieben, seit Mitte der 1970er Jahre stand er für eine konsequente Orientierung an der religiösen Entwicklung der Lernenden: Seine Theorie der Entwicklungsstufen des religiösen Urteils war ein Meilenstein der Religionspädagogik und gehört bis heute zum Kernbestand des theologischen Studiums. Auch darüber hinaus war er bis zuletzt ein hoch geschätzter, visionärer und zugleich kritischer Begleiter religionspädagogischer Entwicklungen. Noch im Jahr 2018 sprach Oser bei einem Vortrag an der Johannes Gutenberg-Universität von der hohen pädagogischen Bedeutung von Fehlern in Lernprozessen. Menschen auch Fehler machen zu lassen und ihnen zuzutrauen, aus ihnen selbständig lernen und sich entwickeln zu können, ist ein Impuls, der nicht nur für schulische Lernprozesse, sondern auch für Theologie und Kirche im Umgang mit den ihnen anvertrauten Menschen von zentraler Bedeutung ist und bleibt. Die Mainzer Katholisch-Theologische Fakultät wird das Andenken Fritz Osers in Ehren bewahren.

Stefan Altmeyer