Gut 100 Personen fanden sich am Abend des 26. Juni 2025 im Hörsaal RW 1 ein, interessiert an den Perspektiven von Expert*innen auf das beginnende Pontifikat von Leo XIV. unter dem Titel „Brückenbauer und Hoffnungsträger?“. Ein Resümee zu der von der Katholisch-Theologischen Fakultät organisierten Veranstaltung könnte lauten: Noch sind klare Prognosen kaum möglich, aber einige Indizien geben Anlass zu hoffnungsvollen Erwartungen an einen Pontifex als vielseitigen Brückenbauer.

Der Vizepräsident der JGU, Prof. Stephan Jolie, drückte seine Hoffnung im Grußwort zu Beginn mit Blick auf den Wahlspruch des Papstes aus: Das Augustinus-Zitat „In illo uno unum“ (In dem, der eins ist [Christus], sind wir eins) könne wie das Motto der JGU „Ut omnes unum sint“ (dass alle eins werden, Joh 17,21) darauf abzielen, Vielfalt wertzuschätzen und zugleich gemeinsam an einem verbindenden Fundament zu bauen. In der folgenden Podiumsdiskussion teilten Bischof Peter Kohlgraf, Dr. Regina Heyder (Kirchenhistorikerin und ZdK-Mitglied) und Jürgen Erbacher (Leiter der ZDF-Redaktion Religion und Leben), moderiert von Antje Pieper (ZDF), ihre Eindrücke und Einschätzungen sieben Wochen nach Ende des Konklaves. Sie waren sich einig, dass Leo in vielem an Franziskus anknüpfe, während er zugleich seine Eigenständigkeit zeige. So analysierte Jürgen Erbacher, wie das Bestreben des Papstes, das Verhältnis zwischen Kollegialität der Kardinäle, breiter gefasster Synodalität und dem eigenen Primat neu auszubalancieren, bereits versöhnlich in Kurie und Kardinalskollegium wirke. Beide waren unter Franziskus in ihrem Einfluss beschränkt worden.

Bischof Kohlgraf äußerte die Erwartung, dass Papst Leo als informierter und durchaus wohlwollender Beobachter der synodalen Bemühungen in Deutschland diesbezügliche Konflikte der letzten Jahre überwinden wolle. Als gutes Zeichen wertete der Mainzer Bischof, dass kürzlich an alle synodalen Präsidien weltweit eine Einladung nach Rom erging, die in Deutschland ans gesamte Präsidium des synodalen Ausschusses gerichtet ist. Diesem gehören neben den Bischöfen Kohlgraf und Bätzing auch Irme Stätter-Karp und Mara Klein an – die gleichberechtigte Rolle von Laien scheine der Papst hier zu akzeptieren.

Verhalten zuversichtlich zeigte sich Regina Heyder mit Blick auf Papst Leos Umgang mit der Ungleichbehandlung von Frauen: Sie verwies zum einen auf eine erste hochrangige Neubesetzung in der Kurie mit einer Frau, womit er an Franziskus’ Personalpolitik anknüpfe. Zum anderen grenze er sich wohltuend von seinem Vorgänger ab, wenn er die Rede vom „petrinischen“ und vom „marianischen Prinzip“ nicht wie Franziskus auf eine Geschlechterkomplementarität beziehe, sondern beide Prinzipien für den neuen Papst insgesamt die Arbeit des Heiligen Stuhls charakterisierten. Das könnte auf eine theologische Öffnung hindeuten, wobei Heyder selbst diese Prinzipien grundsätzlich kritisch einordnete. Einig waren sich die Gäste, dass substanzielle Änderungen an der Stellung der Frauen in der Kirche überfällig seien, auch wenn bezüglich baldiger Reformen in diesem Feld wenig Optimismus herrschte.

Alle drei hoben ebenfalls Papst Leos Potential als internationaler Friedensvermittler und als starke Gegenstimme zu US-Präsident Donald Trump hervor. Ein Papst als wahrnehmbares „Weltgewissen“ sei heute nötiger denn je, so Erbacher. Dekan Prof. Dr. Konrad Huber schloss seine Dankesworte schließlich mit der Hoffnung, in einigen Jahren hinter den Titel der Veranstaltung statt eines Fragezeichens ein klares Rufzeichen setzen zu können.

Bericht: Edith Wittenbrink, Fotos: Thomas Hieke