Aus der Alumni-Post: Was macht eigentlich … Andreas Rosar?

(Foto: privat)

Von den Holzstühlen der Mainzer Hörsäle auf die Bretter, die die Welt bedeuten: Der Saarländer Andreas Rosar, der von 2001 bis 2007 in Mainz und Rom Katholische Theologie, Philosophie und Germanistik studierte, ist heute ein erfolgreicher Opernregisseur mit zahlreichen Inszenierungen in Deutschland, der Schweiz und Ungarn. Ob als studentische Hilfskraft in der Alten Kirchengeschichte und im Kirchenrecht, als Regieassistent, der bei den Bayreuther Festspielen für die verletzte Brünnhilde auf der Bühne einsprang oder aktuell bei seiner Arbeit als theologischer Mitarbeiter an der Peterskapelle in Luzern, einer Kirche im Schnittfeld zwischen Theologie und Kultur – vielseitig und engagiert war Andreas Rosar schon immer. Trotz der kurz bevorstehenden Premiere von Giuseppe Verdis AIDA im Theater Plauen-Zwickau hat er sich Zeit genommen, die Fragen von Frau Prof. Heike Grieser zu beantworten.


Heike Grieser: Wie sind Sie eigentlich zum Theater und auf die Bühne gekommen?

Andreas Rosar: Darstellende Kunst hat mich schon als Kind fasziniert. Als ich dann fünfzehn Jahre alt war, suchte das Saarländische Staatstheater Verstärkung für den Extrachor. „Die Theologie als sehr breitgefächerte Geisteswissenschaft bietet in meinen Augen das beste intellektuelle Rüstzeug für eine Arbeit am Theater“. Über unseren Schulchor kam ich damals in den Genuss, bei Wagners „Meistersingern“ mitzuwirken, ohne zuvor jemals eine Oper gesehen zu haben. Insbesondere die Arbeit des Regisseurs – es war der Schweizer Filmemacher Markus Imhoof – hat mich begeistert, so dass ich mich weiter mit professionellem Theaterschaffen beschäftigt habe. Das war dann der „klassische“ Weg, der parallel zum Studium über Statisterietätigkeit, Praktika und Hospitanzen in den Bereichen Dramaturgie und Regie schließlich zum ersten Vertrag als Regieassistent geführt hat.

Heike Grieser: Was haben Sie aus der Theologie für Ihren beruflichen Alltag mitgenommen?

Andreas Rosar: Die Theologie als sehr breitgefächerte Geisteswissenschaft bietet in meinen Augen das beste intellektuelle Rüstzeug für eine Arbeit am Theater. Wie ich Texte, in denen es um existentielle menschliche Grunderfahrungen geht, so lese, dass sie über ihre zeitliche Verortung und Gebundenheit hinaus eine Relevanz für unsere Gegenwart und unser Leben beanspruchen können, ist für Theaterschaffende ebenso essentiell wie für gute Theologen. „Vielmehr möchte ich Studierende ermuntern, sich genau zu erforschen, Talente auszuprobieren“ Darüber hinaus bieten die philosophischen und historischen Disziplinen ein solides Fundament für das Verständnis unserer Kultur, der die meisten für die Bühne geschriebenen Texte zuzuordnen sind. Und die Parallelen zwischen Liturgie und Theater liegen auf der Hand – unsere abendländische Theatertradition hat ihren Wurzelgrund schließlich im liturgischen Kontext.

Heike Grieser: Was haben Theologie und Theater also gemeinsam?

Andreas Rosar: Sowohl Theaterschaffende als auch TheologInnen beschäftigen sich mit dem nicht Offensichtlichen, mit dem nicht Quantifizierbaren, öffnen im besten Falle den geistigen Horizont über unsere alltägliche Wahrnehmung heraus auf das Wesentliche, auf das, was unserem Leben Sinn gibt.

Heike Grieser: Die Kirche versteht es durchaus, Macht und Pracht zu inszenieren. Wie beurteilen Sie dies aus der Perspektive eines „Theatermenschen“?

Andreas Rosar: Wenn man das Evangelium ernst nimmt, kann es ja nicht Aufgabe der Kirche sein, Macht zu entfalten. Stark war und ist die Kirche immer da, wo sie dem Schwachen eine Stimme verleiht. Dass die Schönheit des Glaubens sich dabei auch durchaus prachtvoll Ausdruck verschaffen kann, hat die Kirche über die Jahrhunderte hinweg immer wieder eindrucksvoll bewiesen. Mir scheint, dass sie dieser Fähigkeit in der letzten Zeit mehr und mehr verlustig gegangen ist. Vielleicht müssen wir wieder lernen, viel selbstverständlicher zu glauben, und diesem Selbstverständnis des Glaubens auch auf sinnliche Weise Ausdruck zu verleihen.

Heike Grieser: Wie kann die christliche Religion heute noch Gegenstand der Kunst sein?

Andreas Rosar: Christlicher Glaube sollte nicht Gegenstand, sondern Dialogpartner der Kunst sein. Beide haben sich viel zu sagen. Diesen Dialog, der sich in den unterschiedlichsten Kunstwerken Ausdruck verschaffen kann, braucht die Welt von heute ebenso dringend wie in früheren Epochen.

Heike Grieser: Warum würden Sie aktuellen Studierenden der katholischen Theologie alternative Berufsfelder wie Schauspielerei und Theater empfehlen?

Andreas Rosar: Ich empfehle den angehenden Theologinnen und Theologen in keiner Weise, sich alternative Betätigungsfelder zu suchen. Vielmehr möchte ich Studierende ermuntern, sich genau zu erforschen, Talente auszuprobieren, um die ureigene Berufung zu entdecken – wo auch immer diese nun liegen mag, ob im Ordensleben, im Lehrberuf, im Priestertum oder eben im Bereich der Kultur oder sonstwo. Es braucht Menschen, die ihre Überzeugung, ihren Glauben an Gott leben und ihre Talente für ihre Nächsten einsetzen.

Heike Grieser: Vielen Dank für das Gespräch!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Andreas Rosar hat unsere Fragen schriftlich beantwortet.